Nach meiner kurzen „Auszeit“ als Resultat der Knie-Operation habe ich insgesamt noch zweieinhalb Schichten am APEX Teleskop vor mir, bevor dieses Kapitel meines Lebens vorbei ist. Aber halt – bisher hatte ich überhaupt nocht nicht mit einer Silbe erwähnt, dass es sich bei diesem überaus erfolgreichen Projekt um meine langjährige Arbeitsstelle handelt. Also holen wir das erstmal nach…

Bei APEX (Atacama Pathfinder EXperiment) handelt es sich um ein Submillimeter-Radioteleskop auf 5100 Metern Höhe auf dem chilenischen Altiplano. Genaueres zu dem Projekt könnt ihr auf dessen Homepage (auf englisch) oder auch im Wikipedia-Artikel finden. Und hier arbeite ich seit 2004, und genau dieses Projekt ist es auch ,wofür ich seinerzeit nach Chile ausgewandert bin.

San Pedro de Atacama

Neben der Astronomie, die hier betrieben wird, ist es für die hier Arbeitenden (und natürlich auch für Besucher) vor allem die Umgebung, die die Arbeit interessant macht. Unsere Basis liegt auf etwa 2400 Metern in der Nähe des Wüstendorfes San Pedro de Atacama (so nebenbei einer der touristischen Hotspots des Landes), am Nordrand des Salar de Atacama. Wer mal die Gelegenheit hat, in die Gegend zu kommen, wird die Faszination verstehen: Das Dorf hat eine ganz spezielle, sehr relaxte Atmosphäre, bestimmt dadurch, dass man hier ziemlich weit ab vom Schuss ist, und zieht Hippies und Weltreisende gleichermaßen an.

Hier herrscht ein andines Wüstenklima, und es ist fast immer sonnig und regnet sehr selten, was allein schon die Gegend touristisch in den Fokus rückt (vor allem für Regen und Kälte gewohnte Mitteleuropäer). Viel wichtiger ist aber die Landschaft, die dieses Klima, im Zusammenspiel mit den vulkanischen Aktivitäten der nahen Andengipfel über die Jahrmillionen hier geformt hat. Von bizarren Felsformationen über Geysire bis hin zu von Flamingoschwärmen bevölkerten Salzwasserlagunen findet man alles.

Das APEX Teleskop

APEX selber liegt allerdings in etwa 60 Kilometer Entfernung vom Dorf (und unserer Basis) auf 5100 Metern, und hier ist die Landschaft nochmal eine andere. Eine windige und kalte Steinwüste, in der es in zwei Perioden im Jahr schneit (Februar und Juli) und die die Arbeit dort oben schon zu etwas Besonderem macht. Man fühlt sich mitunter in die Zeiten von Entdeckertum und Pioniergeist versetzt. Nun müssen wir nicht jeden Tag da hinauf fahren; das Teleskop wird im Normalfall von unserer Basis aus ferngesteuert, nur zu Wartungszwecken und in (technischen) Notfällen ist ein Aufenthalt in der Höhe wirklich nötig. Das war allerdings nicht immer so, bis 2016 wurden standardmäßig Beobachtungen tagsüber auch direkt vom Teleskop aus durchgeführt. „Tagsüber?“ werden sich einige jetzt fragen… in der Tat, in der Radioastronomie ist das Tageslicht im Allgemeinen kein Problem.

Arbeitsalltag

Wahrscheinlich ist diese Arbeit schon eine, um die mich viele beneiden. Oder beneidet haben. denn – wie gesagt – höre ich hier Ende des Jahres auf. Und obwohl mein Büro hier schwer zu toppen ist (mit Aussicht auf 6000 Meter hohe Vulkane), gibt es hier wie überall anders auch die Situation, dass nicht alles perfekt ist. Die Details muss ich hier vielleicht nicht alle ausbreiten, es ist auch nicht so, dass ich hier nicht gerne arbeiten würde, sondern eher so, dass ich noch so vieles andere machen will und den Kopf so voller Ideen habe, dass es jetzt mal genug war mit den wöchentlichen Reisen hierher und dem Fehlen längere Zeiträume, in denen ich mich anderen Dingen widmen könnte.

Nichts desto trotz überfällt einen schon ein bißchen die Nostalgie, wenn man realisiert, dass die Aussichten und auch die Momente mit meinen Kollegen, die jahrelang der Alltag waren, nun bald Vergangenheit sein werden. Vielleicht hat mich das dazu gebracht, mal einige Fotos aus dem vergangenen dreizehn Jahren durchzuschauen, von denen ich euch hier einige präsentieren will. Wobei ich mich hier nur auf das Projekt und das Teleskop beschränken will, denn San Pedro de Atacama und die Umgebung verdienen sicher einen eigenen Post.

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